Montag, 30. September 2019

Eine Kulturlotsin für Drewitz

Patricia Vester. Foto: privat

Zwischen Kulturen und alten und neuen Nachbarn zu vermitteln ist das Anliegen von Patricia Vester. Die Potsdamerin arbeitet im Begegnungszentrum oskar. und entwickelt zusammen mit Kooperationspartnern, Drewitzern und Drewitzerinnen Kinder- und Jugendprojekte. Zudem kreiert sie Veranstaltungsformate zum Diversitätsverständnis, also zum Thema Vielfalt, für die Soziale Stadt Potsdam gGmbH. Seit Januar 2018 ist sie außerdem einmal pro Woche als Nachbarschafts- und Kulturlotsin in Drewitz und am Schlaatz unterwegs.

Ihre Aufgabe: alte, neue Nachbarn und Menschen mit Fluchthintergrund zusammenbringen. Als „aufsuchende soziale Integrationsarbeit“ wird das ein wenig sperrig beschrieben. Einfach gesagt: Patricia Vester geht dorthin, wo es nötig ist, etwa in Gemeinschaftsunterkünfte. So begleitet sie Menschen mit Fluchterfahrungen zu Veranstaltungen in den Begegnungshäusern der Stadtteile. Zudem hilft sie jungen Leuten im Quartier anzukommen und vermittelt ihre Schützlinge beispielsweise an Vereine, Chöre oder andere Freizeitangebote. Dabei ist sie im Unterschied zur Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE), die das Deutsche Rote Kreuz im oskar. anbietet, auch für jene zuständig, die über keinen Aufenthaltstitel verfügen. „Ich entwickle Projekte für das, was fehlt“, fasst Patricia Vester ihre interkulturelle Arbeit kurz und bündig zusammen. Derzeit arbeitet die Kunsttherapeutin, Fremdsprachenkorrespondentin und freischaffende Künstlerin vor allem mit Tschetschenen und Menschen aus dem arabischen Raum zusammen.  

So recht in Schubladen pressen lässt sich das Arbeitsfeld der Kulturlotsin nicht: Mal hilft sie, am Schlaatz einen Gemeinschaftsgarten anzulegen, ein anderes Mal ist sie dabei, wenn in einer Gemeinschaftsunterkunft Räume renoviert werden. Neben der Vermittlung ist es das Ziel der 48-Jährigen, Geflüchtete mit Aussicht auf eine eigene Wohnung zu unterstützen.

Das ist mitunter gar nicht so leicht, berichtet sie: Wenn es im Kiez keine Gebetsräume oder Angebote für beispielsweise afrikanische oder arabische Lebensmittel gebe, weichen die Menschen auf andere Stadtteile aus. Auch solche Probleme nimmt Patricia Vester in den Blick.
  
Aber auch Aufklärung über kulturelle Unterschiede gehört zum Arbeitsfeld von Patricia Vester. So hat sie etwa am vergangenen Wochenende im oskar. einen Workshop mit dem Titel „Do you read me?“ mitgestaltet, der im Rahmen der Interkulturellen Woche stattfand. Dabei haben sich die Teilnehmer folgende Fragen gestellt: Wie begegnet man Vielfalt im Alltag? Was gilt in anderen Kulturen als unhöflich? Was bedeutet Diversität? Wie möchte ich gelesen werden? Wie kann ich meine Sprache interkulturell sensibler gestalten?